„Wir sind alle Barillas!“

Am 9. Mai ist der Consejo de Pueblos del Occidente erneut mit einer Mitteilung über die Situation und die Geschehnisse in Barillas an die Öffentlichkeit getreten. Nachfolgend der Text in der deutschen Übersetzung:
 

Nein zur Unterwerfung Guatemalas unter die Interessen der multinationalen Unternehmen. Ja zum Leben.

An befreundete Völker und die nationale und internationale Öffentlichkeit:
Die Verteidigung der Mutter Erde durch die Völker Guatemalas gegen multinationale Unternehmen, die durch den guatemaltekischen Staat unterstützt werden, hat eine lange Geschichte. Am ersten Mai hat sich die Situation im Land durch den Entscheid der Regierung mit repressiven Mitteln auf den Widerstand der Gemeinschaften zu reagieren, drastisch verschärft.
Neun Tage sind vergangen seit dem hinterhältigen Mord am Gemeinde-Anführer Andrés Francisco Miguel, der zudem zwei weitere Anführer, Pablo Antonio Pablo und Esteban Bernabé Gaspar schwer verletzt zurückliess. Dieser Anschlag wurde durch das Sicherheitspersonal des Unternehmens Hidro Santa Cruz, welche das Kraftwerksprojekt Canbalam 1 verantwortet, ausgeführt. Die Institutionen, die für die Aufklärung der Vorfälle und die Identifizierung der direkten und indirekten Verantwortlichen dieses Verbrechens zu sorgen haben, reagierten nicht mit der Schnelligkeit, wie sie für einen Rechtsstaat notwendig wäre.
Diese Vorfälle sind Teil eines vorbereiteten Plans, der die Regierung dazu geführt hat, den
Ausnahmezustand zu verhängen. Armee und Polizei schützen mit ihrer Präsenz die Interessen des Unternehmens. Innerhalb von neun Tagen wurde auf dem Gebiet der Q’anjob’ales und anderer Gemeinschaften ein neues Angst- und Terrorregime errichtet. Dies in einer Region in der die Bevölkerungen bereits früher unter vielfältigen Formen von Unterdrückung, Gewalt sowie individuellen und kollektiven Menschenrechtsverletzungen gelitten hat.
Die Verhängung des Ausnahmezustandes in Barillas zeigt die Unfähigkeit der staatlichen
Institutionen, die Beteiligung der ärmsten Bevölkerungsschichten an einer umfassenden Entwicklung zu garantieren und die Einhaltung der damit verbundenen grundlegenden Rechte zu gewährleisten.
Wir machen die Militärregierung von Otto Pérez Molina dafür verantwortlich, Komplizen von Hidro Santa Cruz zu sein. Dieses Unternehmen hat in mehrfacher Hinsicht die Eintracht, den Frieden und die gemeinschaftliche Lebensweise in Barillas angegriffen und gestört. Der Ausnahmezustand und die damit verbundenen Hausdurchsuchungen, Verhaftungen und Plünderungen haben erneut Familien dazu gezwungen aus ihren Dörfern zu flüchten und Unterschlupf in anderen Departementen und in Mexiko zu suchen. Die Gewalt dieser Tage übertrifft die Methoden, welche während des bewaffneten Konflikts angewendet wurden. Sie bestätigen sein Fortbestehen. Das Fehlen von Beweisen, mit denen die Verhaftung der Anführer gerechtfertigt wird verpflichtet die Staatsanwaltschaft und die Richter, die Inhaftierten unverzüglich frei lassen. So wie es bereits mit den zwei verhafteten Schwestern passiert ist.
Die Remilitarisierung unserer Territorien stellt eine klare Verletzung internationalen und humanitären Rechts dar, welches Guatemala ratifiziert hat. Zudem verstösst sie gegen die Friedensverträge, die der aktuelle Präsident mitunterzeichnet hat.
Indigene Gemeinschaften und soziale Bewegungen setzen sich ein für ein alternatives
Wirtschaftsmodell, welches auf der angemessenen, gerechten und verantwortungsvollen Nutzung der natürlichen Ressourcen basiert. Dieser Vorschlag wird seit Langem  zurückgewiesen, um der ausbeuterischen neoliberalen Modell, welches sich mit Gewalt aufzwängt, den Vorzug zu geben.

Die Standpunkte des Consejo de Pueblos de Occidente (Rat der Völker des Westens):
1. Wir solidarisieren uns mit den Angehörigen von ANDRES FRANCISCO MIGUEL. Wir fordern vom Staat und vom Unternehmen eine Entschädigung für seine Familie. Sein Tod in Poza Verde wird nicht ungestraft bleiben. Sein Zeugnis nährt und bestärkt uns im Kampf für den Aufbau eines neuen Aufbruchs unserer Völker.
2. Wir solidarisieren uns mit den beiden Verletzten des Attentats Paplo Antonio Pablo und Esteban Bernabé Gaspar. Unsere Solidarität gilt auch den 15 Personen, die willkürlich festgenommen wurden, und den Familien, die fliehen und in der Nähe oder im Ausland Unterschlupf suchen mussten.
3. Wir rufen unsere Brüder und Schwestern in Barillas auf, zu ihren Überzeugungen zu stehen und weiterhin vereint für unser Territorium zu kämpfen, das uns unsere Vorfahren als Erbe hinterlassen haben.
4. Wir verlangen Respekt vor dem Leben und das Ende der Ausbeutung unserer Mutter Erde. Weiter fordern fordern wir die sofortige Aufhebung des Ausnahmezustands und eine öffentliche Erklärung über die Verfassungswidrigkeit des guatemaltekischen Minengesetzes.
5. Wir klagen die Abgeordneten des Kongresses an, welche den Ausnahmezustand ratifizierten. Sie machten sich zu Komplizen bei der Verletzung des verfassungsmässigen Zustandes.
6. Wir ersuchen den Verfassungsgerichtshof um die Wiederherstellung der verfassungsmässigen Ordnung in Santa Cruz Barillas. Das bedeutet die Aufhebung des Ausnahmezustandes. Er verstösst gegen diese Ordnung.
7. Wir rufen zur Einheit auf und zur fortdauernde Verteidigung unseres Territoriums. Denn die Geschichte hat uns gezeigt: Heute ist es Barillas, morgen wird es das ganze Land sein.

ANDRES FRANCISCO MIGUEL
Held und Märtyrer des Kampfes der Völker für die Verteidigung der Mutter Erde.
Chnab’jul, Huehuetenango, 9. Mai 2012

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