Prozess gegen Ríos Montt läuft

Seit dem 19. März steht der frühere Diktator Efrain Ríos Montt in Guatemala wegen Völkermordes vor Gericht

„Die öffentliche Gerichtsverhandlung wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegen Efraín Ríos Montt und José Rodrígues Sánchez ist eröffnet.“ Über dreissig Jahre nach den Massakern an der indigenen Bevölkerung wurde am 19. März den ersten Prozess wegen Völkermordes gegen einen früheren Staatschef in Guatemala eröffnet.

Hier findet der Prozess gegen Ríos Montt statt. (Photo: James Rodrígues, miMundo.org)

Hier findet der Prozess gegen Ríos Montt statt. (Photo: James Rodrígues, miMundo.org)

Bis zuletzt versuchte Ríos Montt den Prozessbeginn zu verhindern. Am 19. März wechselte er sein ganzes Anwaltsteam, diese forderten daraufhin eine Einarbeitungsfrist in den Fall und sagten, dass sie nicht fähig seien, die Verteidigung des Mandanten zu übernehmen, weil ihn mit der Gerichtspräsidentin eine schwere Feindschaft verbinde. Das Gericht erklärte diesen Einwand als gegenstandslos, aber verwies den Anwalt im Lauf des Tages des Saales. Ríos Montt wurde ein Pflichtverteidiger beigestellt. Am folgenden Tag liess er sich erneut von seinen bisherigen Anwälten verteidigen.

In der ersten Woche des Prozesses wurden Zeuginnen und Zeugen aus der Region Ixil einvernommen. Sie erzählten von den Massakern der Armee gegen die Zivilbevölkerung, der Flucht der Menschen in die Berge, unter welchen Lebensbedingungen sie dort leben mussten und die Gründe warum sie in die sogenannten Modelldörfer zurückkehrten. Dort wurden die Männer zur Mitarbeit in den Zivilen Selbstverteidigungspatrouillen (PAC) gezwungen.

Die Staatsanwaltschaft hat 205 Zeuginnen und Zeugen sowie GutachterInnen für den Prozess aufgeboten, viele von ihnen müssen von Ixil auf Spanisch übersetzt werden.
In einem Interview mit dem Präsidenten der klagenden Vereinigung für Gerechtigkeit und Versöhnung (AJR) betonte dieser die Wichtigkeit des Prozesses auch für das heutige Guatemala. Er sagte, dass eine Verurteilung von Ríos Montt ein Schritt hin zur Respektierung der Rechte der indigenen Bevölkerung, welche während des Krieges am meisten diskriminiert wurde, bedeuten würde und, dass sich die AJR auch eine Verminderung der aktuellen Straflosigkeit erhofft.

Die AJR hatte bereits 2001 Klage gegen Ríos Montt eingereicht. Erst mit seinem Ausscheiden aus dem Kongress im Januar 2012 und nach über 100 Einsprachen seiner Anwälte – 98 beurteilte das Gericht als gegenstandsslos – konnte jetzt der Prozess gegen ihn eröffnet werden.

Weitere Infos und ein Livestream des Prozesses: http://www.paraqueseconozca.blogspot.ch/

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter guatemala abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s