Die unsichtbare Gefahr

          Kolumne Zürichsee Zeitung, Dezember 2014

 Die Stadt Tegucigalpa bietet nicht viel schönes. Überall liegt Abfall herum, die Armut ist allgegenwärtig und die Luftverschmutzung gewaltig. Als Ausländer wird man oft etwas skeptisch angeschaut, weil meistens für einen US-Amerikaner gehalten, die nicht sehr beliebt sind. Nichts desto trotz fühle ich mich wohl und auf ein Lächeln reagieren auch hier die meisten Leute positiv.

Tagsüber gilt das Zentrum als sicher, trotzdem wird empfohlen über längere Strecken ein Taxi zu nehmen. Die hohe Präsenz von Sicherheitskräften, vor allem von schwer bewaffneten Soldaten, war anfangs etwas ungewohnt. Es ist umstritten, ob die vom Präsidenten Hernandez angetriebene Militarisierung des Landes die hohe Kriminalitätsrate und die Opferzahlen senken kann. Die Statistiken sprechen dagegen.

Unsere Unterkunft liegt in Hanglage oberhalb des Zentrums. Dank diesem Standort geniessen wir eine schöne Aussicht, bekommen aber sämtliche Geräusche der Stadt mit. Verkehr, Sirenen, Hundegebell und, vorwiegend in den Morgen- und Abendstunden, Schusswechsel sind alltägliche Hintergrundgeräusche.

Es war bereits am dunkel werden als ich mich entschied joggen zu gehen. Nachdem ich den naheliegenden Park erreichte, konnte ich eine Menschenmenge, Verkehrsstau und jede Menge Polizisten erkennen. Was war passiert in unserer Nachbarschaft, die bis anhin ruhig, sicher und friedlich wirkte?

Ich begann meine Runden zu drehen und konnte eine triste Stimmung wahrnehmen. Auf der letzten Runde hielt ich an und erfuhr, dass am Rande des Parks ein Taxifahrer erschossen wurde. Im Hintergrund konnte man eine Frau weinen und schluchzen hören. Eine Frau der dasselbe Schicksal wiederfahren ist, wie so vielen weiteren Familienangehörigen in Honduras.

Angesichts der Tatsache, dass in Honduras 96% der Tötungsdelikte nicht aufgeklärt werden, wird wahrscheinlich auch dieser Täter ungeschoren davonkommen. Dank diesem Erlebnis konnte ich erkennen, was einige Leute mir sagen wollten als sie erwähnten, dass viele Gefahren in Honduras unsichtbar sind.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter honduras, PWS abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s