Ein weiteres Opfer des Systems

Kolumne Zürichsee Zeitung, März 2015

Im Gefängnis von Ceiba besuchten wir Jose Isabel “Chabelo” Morales Lopez, der seit 5 Jahren unschuldig eingesperrt ist. Sein Dorf wurde wiederholt von privaten Sicherheitskräften eines Grossgrundbesitzers heimgesucht, um die Einwohner einzuschüchtern und zu vertreiben. Bei einer dieser Konfrontationen kamen 12 Menschen ums Leben. Obwohl abgesehen von Falschaussagen keine Beweise gegen ihn existieren, wurde Chabelo als Haupttäter zu 17 Jahren Haft verurteilt. Er ist ein Opfer der vorherrschenden Korruption und der Kriminalisierung von Menschen, die sich gegen die Obrigkeit auflehnen. An ihm wurde ein Exempel statuiert mit der Absicht weitere Rebellion zu verhindern.

Die Gefängnismauern in Ceiba

Die Strafvollzugsanstalt in Ceiba

Er lebte mit seiner Familie im Valle de Aguán, eine der fruchtbarsten Regionen des Landes, welche einst die Heimat von vielen Bauernfamilien war. Sie stellten auf traditionelle, naturnahe Weise landwirtschaftliche Produkte her und trugen einen wichtigen Beitrag zur Ernährung der Bevölkerung bei. Obwohl sie seit Generationen dort lebten, wurde ihre Heimat vom Staat an Grossinvestoren verkauft. Seitdem sie mit teils gewalttätigen Mitteln vertrieben wurden (seit dem Jahr 2008 starben 125 Personen in diesem Konflikt), wird auf diesem Boden Palmöl in Monokultur produziert.

Immerhin wird Chabelo von den Wärtern gut behandelt und geniesst viele Freiheiten. Er hat regelmässig Besuch und heute Freunde in der ganzen Welt. Obwohl er die Hoffnung auf ein Leben mit seiner Familie in Freiheit noch nicht aufgegeben hat, hat er sich mit seiner Situation abgefunden. Sein Glauben an Gott gibt ihm halt und lässt ihn auf die positiven Dinge fokussieren, was ihm eine einzigartige Ausstrahlung beschert.

Viele Kleinbauern verteilt im ganzen Land kämpfen für das Recht auf ein Stück Land um Nahrung zu erzeugen und Einkommen zu generieren. Dank dem “Fall Chabelo“ erhielten ihre existentiellen Probleme und Bedrohungen internationale Aufmerksamkeit. Er ist nicht nur ein Opfer sondern quasi auch ein Botschafter, was er als seine Berufung auffasst.

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