Berta ist nicht gestorben, sie hat sich vervielfacht

BertaCaceres

Berta Cáceres, eine der wichtigsten Menschenrechts-und Umweltaktivisten in Honduras, wird vermisst, aber niemals vergessen werden…

Ich war im Herbst 2014 bis anfangs 2015 während etwas mehr als fünf Monaten für Peace Watch Switzerland als Menschenrechtsbeobachter im Einsatz in Honduras und habe in dieser Zeit regelmässig auf diesem Blog von meinen Erfahrungen berichtet. Obwohl ich nun bereits seit einem Jahr zurück in der Schweiz bin, verfolge ich nach wie vor ein wenig, was in Honduras vor sich geht.

Am 3. März erhielt ich die traurige Nachricht, dass Berta Cáceres, eine der wichtigsten und bekanntesten Persönlichkeiten der Menschenrechts- und Umweltschutzbewegung in Honduras Opfer eines grausamen Mordanschlags wurde. In der Nacht auf den 3. März sind zwei vermummte Personen in ihr Zuhause eingedrungen, haben sie brutal überwältigt und mit mehreren Schüssen getötet.

Während meinem Einsatz durfte ich Berta persönlich kennenlernen und sie einige Male bei ihrer Arbeit begleiten. Ich war beeindruckt von ihrem unermüdlichen Einsatz für die Rechte ihrer Mitbürger und den Schutz der Umwelt. Sie war eine starke Frau, die trotz allem Elend in Honduras ihr liebliches Lachen, positives Gemüt und die Hoffnung auf ein friedlicheres Leben in ihrer Heimat niemals verloren hatte.

Doch wer war Berta Cáceres? Wieso musste sie sterben?

Berta Cáceres war die Mitgründerin und Anführerin der Organisation COPINH (Consejo Civico de Organisaciones Populares y Indigenas de Honduras), die sich für die Rechte der indigenen Bevölkerung in Honduras einsetzte. Sie gehörte dem Volk der Lenca an, deren Mitglieder seit vielen Generationen vor allem im Südwesten von Honduras leben und eine enge spirituelle Beziehung zur Natur und Umwelt pflegen. Der grösste Teil dieses Volkes lebt von der Subsistenzwirtschaft auf dem Land, aber die grossen Wasservorkommen und reichen Bodenschätze auf ihrem Territorium lockten honduranische wie auch transnationale Investoren an. Berta machte sich besonders stark für das Recht auf Boden und natürliche Ressourcen der Lenca in der Region Rio Blanco, welche durch den Bau eines grossen Staudammes, der sogenannte Agua Zarca Damm im Fluss Gualcarque, bedroht waren. Ein Projekt, dass mit Geld aus europäischen Banken und Entwicklungsfonds mitfinanziert wird. Der Staat Honduras hat im Jahr 1995 die Konvention 169 der internationalen Arbeitsorganisation (ILO 169), welche den Schutz indigener Völker vorsieht, ratifiziert. In diesem Abkommen verpflichtet sich ein Staat, eine Konsultation der betroffenen indigenen Bevölkerung vorzunehmen bevor Projekte auf ihrem Siedlungsgebiet umgesetzt werden und deren Zustimmung einzuholen. Dies ist aber nicht geschehen, weshalb sich COPINH, allen voran Berta Cáceres, mit friedlichen Mitteln dem Bau des Dammes widersetzten und um internationale Unterstützung ersuchten. Aus diesem Grund wurden sie und ihre Mitstreiter vom Staat kriminalisiert und waren massiver Gewalt und Bedrohungen von Seiten des Militärs, der Polizei und privater Sicherheitskräfte ausgesetzt. Und Berta ist nicht das einzige Opfer, vor ihr wurden bereits einige weitere Anhänger von COPINH getötet.

Obwohl die genauen Umstände des Mordes noch nicht geklärt sind, wird davon ausgegangen, dass Berta Cáceres für ihr unermüdliches Engagement, wofür sie im letzten Jahr sogar mit einem internationalen Preis geehrt wurde (Goldman Environmental Prize), sterben musste. Der Staat Honduras hat in der Vergangenheit wiederholt gegen Menschenrechte verstossen, weshalb die Angehörigen von Berta und diverse nationale wie auch internationale Organisationen eine unabhängige internationale Untersuchung des Tathergangs fordern. Der Mord an Berta hat in der internationalen Menschenrechtsgemeinschaft zu tiefste Bestürztheit und Besorgnis hervorgerufen und eine Vielzahl von Protestaktionen ausgelöst. Zu hoffen bleibt, dass diese Gewalttat gründlich aufgearbeitet wird, die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden und in Zukunft das Recht auf Leben und Unversehrtheit auch in Honduras besser geachtet wird.

 

COPINH_EU_Utopia

Berta Cáceres an einem Treffen mit Vertretern der EU, bei dem ich sie und weitere Mitglieder von COPINH für PROAH im Herbst 2014 begleitete.

Mich persönlich hat diese Nachricht schwer schockiert. Ich werde meine Begegnungen mit ihr und allem voran ihren leidenschaftlichen Idealismus niemals vergessen. Nicht zu vergessen ist auch, dass Berta nicht nur Aktivistin war, sondern auch Tochter, Schwester und Mutter von vier Kindern, welche mit einer Vielzahl von Freunden und Anhängern, um sie trauern.

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